Tide und Technik

Liebe Leser unseres Blogs,

neben Tidenrechnung und Wetterbeobachtung beschäftigt uns auch fast täglich die Technik unserer Segelschiffe. Die X46 z.B. ist mit Baujahr 2006 jetzt 13 Jahre alt und als Charterschiff im Atlantik einer überdurchschnittlichen Belastung ausgesetzt. Bereits bei der Übernahme stellten wir einen Riss von fast einem halbem Meter am Achterliek der Genua fest, die von der Chartercrew provisorisch mit Klebefolie geflickt wurde. Ein Schwachpunkt, den wir täglich im Auge haben. Nicht schließende Schranktüren, Wackelkontakt in der Ankerwinsch, abgebrochene Montageschraube des Außenborders oder eine Reichweite des UKW-Funks von kleiner 1,5 sm sind allesamt ärgerlich aber mit Bordmitteln behebbar. Wichtigstes Hilfsmittel ist immer WD40.

Ein Riss im Achterliek der Genua. Bei der ersten 6er Bö reißt das ganze Segel der Länge nach

Auf der Alure 45 vor 3 Jahren hier in der Bretagne, hat uns der undichte Wassertank durch eine volle Bilge die Wasserversorgung komplett per Kurzschluss still gelegt. Aus dieser Erfahrung habe ich bei der Übernahme auch auf der X46 Wasser unter den Bodenbrettern entdeckt, das sich auch mit der Bilgepumpe nicht vollständig abpumpen ließ und beim Segeln hörbar unter dem Boden hin- und herschwappte. Die Druckpumpe förderte im Minutentakt Wasser ins Drucksystem, so dass wir als Sofortmaßnahme diese nur noch bei Bedarf einschalteten. Für das Restwasser in der Bilge musste die Pütz und wie in Jollezeiten das gute alte Ösfass herhalten, jeden Tag 50 Liter per Lenzpumpe und 20 – 30 Liter von Hand. Vorgestern schließlich in Port de L’Herbaudiere fiel plötzlich unser Landstromanschluss durch ständiges Auslösen der Sicherungen am Steg und im Schiff aus. Kein Strom mehr um die Batterien im Schiff oder die Akkus der Crew-Handys zu laden.

Unser Pool unter den Bodenbrettern. Das gute alte Ösfass half leider nur temporär

Die Crew in den Achterkabinen hatte schon vorgestern ein zischendes Geräusch im Bereich der Steueranlage gemeldet und in einer schlaflosen Phase des Skippers morgens um 5 kombinierte er den Zusammenhang zwischen Wasser in der Bilge, dem zischenden Geräusch achtern und dem Problem mit dem Landstromanschluss der an der Steuersäule montiert ist. Kurzschluss durch Sprühregen irgendwo in den Achterkabinen. Sophia und Axel mussten ihre Kabine komplett ausräumen, Matratzen und Lattenroste ausbauen. Ganz achtern ist der Warmwasserboiler mit einer 220V Steckdose eingebaut. Die Warmwasserversorgung hatte am Boiler ein kleines Loch, das bei Druck im System einen Sprühnebel in Richtung Steckdose produzierte. Eine Installation, die bei jedem VDE-Elektro-Ingenieur einen sofortigen Herzstillstand bewirkt. Der erste Schimmelansatz an den Lattenrosten zeigte auch, dass das Problem nicht erst seit unserer Schiffsübernahme bestand.
Problem erkannt, aber noch nicht gebannt. Unser Flottenchemiker Hägar machte uns klar, dass das Dingi-Reparaturset mit Vulkanisiermaterial für die PE-Schläuche des Wassersystems ungeeignet war. Aber der Flotten-Chief-Engineer Ralph hat das richtige Material dabei. Teflon-Band vom Klempner, Aluminium-Tape und eine Schlauchschelle. Mit zusätzlich einem Stück Gummi vom Wasserschlauch konnten wir die Leckage provisorisch dichten. Das WD40 verdrängte die Feuchtigkeit in der Steckdose und voila: die Sicherungen halten und die Lenzpumpe hat vorläufig ausgedient. Großer Dank und großes Lob an unseren CI.
Euer Tom

Abenteuerliche Installation unter dem Bett der Steuerbord-Achterkabine
Unser CI beim erfolgreichen Einsatz unter Tage

0 Gedanken zu „Tide und Technik“

  1. Wartet nur, bis der Chief Engineer die Vaseline-Dose zückt! Dann gibt es kein Halten mehr!!! BTW… ich hoffe die Mängellisten für die Vercharterer sind in Arbeit! Habt trotz all der Reparaturen noch ne schöne Woche! Kleiderordnung und Kulinarik gehen in Ordnung! Grüße von Sabin

  2. Na endlich… erschien mir doch alles etwas unglaubwürdig ein Törn ganz ohne improvisierte Reparaturarbeiten von unseren zwei Spezis ; -) Hahaha soll ja keine Langeweile aufkommen…
    Es ist ja quasi schon Tradition das irgendein unvorhergesehenes und brisantes Problem auftaucht, was mit vereintem Hirnschmalz und handwerklichem Geschick gelöst werden muss.
    Hoffe der Rest der Woche verläuft Sorgenfrei 🙂 Liebe Grüße auch von meinem drei Lieben

  3. Hallo liebe STSG’ler,
    ich verfolge mit Spannung, Neugier und Neid Euren tollen Törn!!
    Um die technischen Probleme beneide ich Euch nicht, aber ihr seid ja nicht nur tidentechnisch und seglerisch gut aufgestellt, sondern habt ja auch für jedes Problem die richtigen Leute dabei! Gratulation!
    Viele Grüße aus Kroatien (leider ohne Boot!)
    Klaus Roth

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