Die 12er Regel

Liebe Freunde der Tidennavigation,

neben Ralf hat Thomas die Lösung gefunden. Tom mit der X46 kann an unserem Ankunftstag immer in Port de Crouesty einlaufen. Die minimale Tidenhöhe wird an diesem Tag bei 2,26 m liegen. Diese Tidenhöhe muss man zur Kartentiefe dazuzählen. Die niedrigste Kartentiefe in der Einfahrt von Port de Crouesty ist je nach Information bei 1,4m (Hafenkarte) oder 1,8 m (Info im Hafenhandbuch über die Barre am Hafeneingang). Aber wie dem auch sei, die geringste Wassertiefe in der Hafeneinfahrt ist am 24.8. 2019  dann entweder 3,66m oder 4,06m. D.h. die X46 mit einem Tiefgang von 2,4m hat immer mindestens 1,25m Wasser unter dem Kiel, kann also gefahrlos in Port de Crouesty einlaufen und bei Bernd die Weinvorräte plündern. Bei Hochwasser mit 4,34 m Tidenhöhe wären dann 5,74m bzw.  6,14m Wasserstand. also noch viel mehr Tiefe. Wir hoffen, das war jetzt nicht zu schwer??

Was lernen wir daraus? Erstens, es gibt verschiedene Angaben zu den Wassertiefen in den Häfen und Hafeneinfahrten aus den unterschiedlichen Quellen. Deshalb tuen wir gut daran immer einen Sicherheitsabstand einzurechnen, und trotzdem vorsichtig in die Häfen einzufahren. Dabei sollte bei knappen Situationen das Echolot immer im Auge behalten werden. Im letzten Jahr hatten wir bei der Einfahrt in Loctudy deshalb einen „Ansager“ der die Tiefe permanent bekanntgab (Manfred, Du erinnerst Dich?).

Wichtig dabei ist auch am Anfang des Törns zu überprüfen wie denn das Lot eingestellt ist (absolute Wassertiefe oder Wassertiefe unter dem Kiel). Den Angaben des Charterpersonals kann man nicht immer 100% trauen. Deshalb macht es Sinn mit einem Handlot die absolute Tiefe zu ermitteln und mit der Echolotangabe zu vergleichen. Dann ist man in kritischen Situationen gewappnet.

Bis jetzt haben wir uns in unserem Blog sehr stark auf die elektronischen Hilfsmittel wie Navigationsprogramm oder Internet verlassen. Um bei Stromausfall oder bei keinem Internetempfang auch sicher navigieren zu können, sollte man die Tidenhöhen auch händisch ausrechnen können. Dazu nehmen wir unseren Bloc Marine in die Hand, in dem alle Informationen schriftlich in Papierform niedergelegt sind.

Tide Brest
Auszug aus dem Bloc Marine, Tideninfos im Juni 2018 für Brest

Nehmen wir mal an, wir wollen am 16. Juni 2018 nachmittags in Brest einlaufen. An diesem Tag ist um ca. 14 Uhr (genauer: 13.57 Uhr) Niedrigwasser mit 1,05 m und 6 Stunden später um 20 Uhr (genauer: 19.59) Hochwasser mit 7,20 m.  Es ergibt sich also ein Tidenhub von  6,15 m. Die Frage stellt sich, wie sich denn die Tidenstände zwischen 14 und 20 Uhr entwickeln.

20190224_130859Dazu gibt es die 12er Regel, die zwar nur eine Abschätzung ist, die sich aber in den meisten Fällen als hinreichend genau erwiesen hat.

Die 12er Regel besagt, dass in der ersten Stunde nach Niedrigwasser 1/12 des Gesamttidenhubs geschieht, in der 2. Stunde 2/12, in der 3. Sunde 3/12, in der 4. Stunde 3/12, in der 5. Stunde 2/12 und in der 6. Stunde 1/12. Im Bloc Marine gibt es dazu auch eine Grafik. Damit kann man die Gezeitenhöhen zwischen Niedrig- und Hochwasser bestimmen.

In unserem Fall haben wir einen Tidenhub von 6,15 m. Ein Zwölftel davon ist 51 cm. Das Wasser wird also in der ersten Stunde um 51 cm steigen. Um 15 Uhr steht die Tide dann bei 1,56m. In der 2. Stunde steigt das Wasser dann um 1,02 m, so dass um 16 Uhr 2,58 m Tide steht. In der 3. Stunde bekommen wir weiter 1,53 m Wasser was zu einer Tidenhöhe von 4,11m um 17 Uhr führt. In der 4. Stunde kommt nochmals 1,53 m Wasserstand dazu (5,64 m um 18 Uhr) und in der 5. Stunde 1,02m (6,66m um 19 Uhr). In der letzten Stunde dieser Flut zwischen 19 und 20 Uhr steigt das Wasser dann wieder nur um 51cm.

Mit dieser Regel kann man also die Wasserstände ohne elektronische Mittel überschlagen, auch wenn es nicht gerade Hoch- bzw. Niedrigwasser ist.

So jetzt zur heutigen Aufgabe: 

Port Navalo

In der Nacht zum 16. Juli 2018 möchte die X46 am frühen Morgen den Port de Crouesty anlaufen. Wann kann sie frühestens einlaufen (auf die halbe Stunde genau). Bitte mit der 12er Regel berechnen.

 

Ich hoffe auf viele Antworten.

Viele Grüße Hägar

 

 

 

 

 

 

0 Gedanken zu „Die 12er Regel“

  1. Um sicher zu gehen wähle ich die niedrigere Angabe aus den beiden Quellen zu Wassertiefe im Hafen.
    Das sind laut Hafenkarte 1,40 Meter. (Wenn die Infos aus dem Hafenhandbuch stimmen würden hätten wir noch 40 cm mehr Sicherheit!)
    Das Schiff hat 2,4 mtr Tiefgang.
    240 cm – (140 + 35) cm =0,65 cm
    Also muß noch mindestens 0,65 Meter Wasser zusätzlich von der Flut kommen.

    Der Tidenhub am 16. Morgens beträgt 4,95 – 0, 35 cm =4,60 mtr.
    Die zwölfer-Regel ergibt 0,38 cm in der ersten Stunde, dann 76cm, dann 114 cm, 114 cm, 76, 38 cm.
    Niedrigwasser ist um 02.02 Uhr.
    Die 0,65 cm zusätzlich wird nach etwa nach 1 1/2 Stunden erreicht (38 + ((ca.) 1/2×76) cm = 76 cm).
    Die X 46 mit 2,40 Meter Tiefgang könnte also frühestens um kurz vor 3.30 Uhr einlaufen.
    Wenn die in einer früheren Frage (Mail am 03.03.) genannte Sicherheitsbedingung noch gültig wäre (da habt Ihr von 1,00 Meter Sicherheit gesprochen), dann etwa gegen 4.15 Uhr.

    Viele Grüße

    Karsten

  2. Hallo Zusammen, heute muss es aber wieder einen güldenen Stern für mich reichen 😀 Wenn ich alles richtig nachgeschaut und gerechnet habe wäre am
    15.07. 23:15 Niedrigwasser 1,27m und am 16.07. 5:21 Hochwasser mit 4:80, also ein Tidenhub von 3,53m. Mit der 1/12 Berechnung komme ich auf
    23:15 – 1,27m
    00:15 – 1,56m
    01:15 – 2,15m
    02:15 – 3,03m
    03:15 – 3,91m
    04:15 – 4,50m
    05:15 – 4,88m

    Was bedeutet bei einer Kartentiefe von 1,40 und 2,40 Tiefgang der X46 wäre ab ca. 03:15 Uhr ein auslaufen möglich.

    1. So, jetzt fängt die Sache an Spaß zu machen, wenn mehrere Antworten kommen. Eine Antwort stimmt, die andere ist zwar richtig gerechnet, beantwortet aber leider nicht die Frage, sondern eine andere Frage. Wer findet’s raus was richtig ist, und wo denn der Fehler bei der anderen Antwort war?

  3. Moin,
    das ganze Plus und Minus macht mich ganz kirre, trotzdem plädiere ich für den Meter Sicherheitstiefe, frei nach dem Motto „gerundet wird erst am Schluss“. Nundenn, reale 3,40m wären also der immerwährende Tiefenbedarf für eine sichere Navigaton für die die besagte Yacht seit Kiellegung.

    Bleibt also salopp gesagt, das aus der Karte und der Tide vorhandene Wasser übereinandezustapeln und zu schauen, ob der Tiefenbedarf der Yacht erfüllt wird. Ist man dann zur rechten Zeit am rechten Ort, kann nichts mehr wirklich anbrennen.

    Eventuelle Rechenfehler bemerkt man entweder schnell oder garnicht, je nachdem ob man zu positiv oder zu negativ gegen den Bedarf gerechnet hat, Das sind erfahrungsgemäß entweder Zeiten oder Tiefen, in beiden Fällen geht das entweder gut aus oder nicht. Da wir letzteres vermeiden wollen ist es hilfreich, beide Größen sicher vorher bestimmen zu können. Gelingt es uns bereits vor dem Törn, die wichtigsten Schritte sicher im Griff zu haben, können wir uns vor Ort auf das reine Vergnügen konzentrieren.

    So nun genug filosofiert, keine Ahnung ob die Antworten passen, wichtig ist, die Synapsen vorab zu trainieren und auch ggf. aus nicht ganz perfekten Antworten hilfreiche Erkenntnisse zu ziehen, sprich sich mit der Materie zu beschäftigen, bevor´s eng wird.

    Daher immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel, mindestens, hüfttief ist mit persönlich lieber 😉

    Cheers
    Euer CI

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